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Fotografieren mit Selbstauslöser
Einleitung
Die Idee kam mir als ich ein Gewässer nicht weit von meinem Elternhaus befischte. Es war ein sehr erfolgreicher Tag und ich konnte einige schöne Fische fangen. Nun war es gewöhnlich kein Problem meinen Vater anzurufen mit der Bitte ein paar Fotos zu machen. Das hatte bis dato immer gut funktioniert und auch früh morgens konnte ich meiner Mutter freudig mitteilen, dass mein Vater vorbeikommen könnte. Wie schon gesagt, waren die Fische an diesem Tag sehr aktiv, und daher beschloss ich noch ein wenig weiter zu fischen. Ich genoss den Augenblick und vielleicht war ja auch noch was möglich.

Wie so oft wurde meine Ausdauer belohnt und ich fing zudem noch mitten am Tag den schönsten Spiegelkarpfen aus diesem Gewässer. Der Tag war perfekt und ich rief nach meinem Fotograf.
Während des Wartens suchte ich mir bereits schöne Plätze für die Fotosession und bereitete soweit alles vor. Doch auch nach längerem Warten war von meinem Vater nichts in Sicht. Nach dem dritten Telefonat erfuhr ich zu meiner Überraschung, dass er es nicht für nötig halte vorbei zukommen. Aus seiner Sicht hatte ich ja schon genug Karpfen zu Papier gebracht. Naja, ein bischen Verständnis für einen "Nichtangler" hatte ich schon, doch was nun?
Mit Intervallauslösung, sprich mit einfachsten Mitteln habe ich noch alles versucht; das Resultat könnt Ihr Euch denken...

Glücklicherweise habe ich den Fisch später nochmal gefangen und diesmal klappte es auch mit den Fotos. Trotzdem gab mir diese Erfahrung zu denken, und ich habe eine Möglichkeit gefunden, mit dem ich meine Fische selbstständig, ohne die Hilfe anderer fotografieren kann. Natürlich nehme ich bei meinen "Selbstportraits" eine Standardhaltung ein und mache keine Experimente.

Was gibt es grundsätzlich zu beachten?
Fotografieren bedeutet im Prinzip nichts anderes als das "Einfangen" von Licht. Somit bestimmen auch die Lichtverhältnisse in bezeichnender Weise die Qualität unserer Fotos. Je nach Wetter-bedingung und Tageszeit erhalten wir unterschiedliche Ergebnisse. Mal wirken die Farben wärmer und mal kälter u.s.w.. Natürlich können wir als Karpfenangler den richtigen Zeitpunkt nicht immer berücksichtigen da oft der Moment zählt. Trotzdem sollte man, unabhängig davon ob wir mit Selbstauslöser fotografieren oder ob eine zweite Person anwesend ist, immer versuchen für diesen Moment die besten Lichtverhältnisse zu finden.

Ich selbst fotografiere schon seit einiger Zeit mit einer digitalen Spiegelreflexkamera. Der Vorteil gegenüber einer Kompaktkamera ist neben der wesentlich besseren Optik u.a., dass man verschiedene manuelle Einstellungen vornehmen kann. Ebenso kann man verschiedene Filter einsetzen. Aber ich muss auch zugeben, dass mir aufgrund der vielen Einstellmöglichkeiten schon mal Fotos nicht gelingen wo vielleicht eine vollautomatische Kompaktkamera ansehnliche Ergebnisse gebracht hätte. Doch auf lange Sicht und mit ein bischen Erfahrung und Experimentierfreude macht man doch die besseren Bilder.

Bei starker Bewölkung und in der Dämmerung benötigt man eine längere Belichtungszeit, welche die Gefahr von verwackelten bzw. unscharfen Bildern deutlich erhöht. Somit sollten wir in dunkler Umgebung ein Stativ benutzen oder alternativ und natürlich in der Dunkelheit den Blitz zu Hilfe nehmen.

Möchte man, mal abgesehen von der Verwendung eines Blitzes, auf jeden Fall eine kurze Belichtungszeit benötigen wir die Möglichkeit der Blendeneinstellung. Diese bestimmt die Lichtmenge die unsere Kamera in einer bestimmten Zeit aufnimmt. Wir können mit der Blende aber auch die Tiefenschärfe beeinflussen. D.h. heißt wir bestimmen wieviel von unserem Foto scharf aufgezeichnet wird. Bei kleinster Blende (=höchste Zahl) ist die Lichtmenge am kleinsten, aber die Tiefenschärfe am größten.

Sind wir noch da?... Naja, weiter als hier möchte ich auch jetzt nicht auf das Thema eingehen da ich davon überzeugt bin das dies schon genug technische Informationen sind um bessere Fotos zu machen. Alle die mehr wollen sollten sich nochmal die Beschreibung ihrer Kamera genau anschauen. Dort findet man i. d. R. alle Informationen die man braucht.

Komposition
Technisches Wissen oder nicht, alleine durch ein etwas bewußteres Fotografieren sind schon bessere Ergebnisse möglich. Schade, wenn in einem ansonsten prächtigen Foto ein Stück Schwanzflosse fehlt oder der halbe Kopf des Fängers weil man soviel Fisch wie möglich aufs Foto bringen wollte...
Auch der Hintergrund sollte passend gewählt werden, denn es würde sehr stören wenn dort Fahrräder, Eimer, neugierige Passanten u.s.w. zu finden wären.

Weiter können wir natürlich aus eigenen Erfahrungen lernen. Vielleicht sollte man sich nochmal die eigenen Fotos anschauen um herauszufinden was man beim nächsten Fisch eventuell anders machen könnte. Ich habe für mich z.B. herausgefunden das es von Vorteil ist wenn sich die Kamera auf Höhe des Fisches befindet. Sollte glücklicherweise noch jemand dabei sein der die Fotos macht, so kann dieser dem Fänger auch Anweisungen geben um den gefangenen Fisch ins rechte Licht zu setzen.

Für diejenigen die gerne Ihre Fotos herumzeigen ist es zudem wichtig auf Objekte im Hintergrund zu achten die sofort auf das jeweilige Gewässer schließen lassen. Und mal ganz ehrlich, wer zeigt nicht mal voller Stolz ein schönes Foto mit seinem Rekordfisch herum?

Ein großer Vorteil von Digitalkameras ist die Möglichkeit sich die Fotos sofort anzuschauen. Somit können wir, bevor wir den Fisch aus dem Wasser holen, Probefotos machen und die o.g. Punkte überprüfen. Erst wenn alles stimmt, Hintergrund, Licht u.s.w. wird der Fisch in würdiger Position und schnellstmöglich abgelichtet.

Wie fotografiere ich nun mit Fernauslöser?
Und nun zum eigentlichen Thema, dem Fotografieren mit dem Selbstauslöser. Ein Nachteil der meisten Kompaktkameras ist hierbei die fehlende Anschlussmöglichkeit für einen handelsüblichen Selbstauslöser. Deshalb benutzen dann viele von uns den eingebauten Timer bzw. die Intervallauslösung. Das dies in der Regel keine guten Resultate bringt haben die meisten von uns sicherlich schon festgestellt und außerdem leiden auch die Fische bei ihrem unverhältnismäßig langem "Landgang". Dies ist sicherlich nicht notwendig...

Hier helfe ich mir nun mit einem einfachen Bügel, den ich aus einem Streifen Aluminium zurecht gebogen habe und schaffe so die Möglichkeit einen Pneumatikselbstauslöser anzuschliessen. Auf dem ersten Foto könnt ihr sehen was dazu notwendig ist. Der Vorteil eines Pneumatikauslösers ist übrigens, dass man diesen auch mit den Füßen betätigen kann und somit die Hände frei hat.
Ich selbst habe auch schon andere Systeme benutzt und denke das dies das beste für unsere Zwecke ist. Da man so relativ schnell zu einem guten Foto kommt dient dies auch dem Wohle der gefangenen Fische.

Ihr seht also das die Materialanforderung relativ gering ist. Den Bügel und die Kamera montiere ich gemeinsam, wie gewöhnlich mit einer Schraube am Stativ. Die Lage des Loches für den Auslöseranschluss wählt man in Übereinstimmung mit dem Kameraauslöseknopf. Da es hier Unterschiede zwischen verschiedenen Kameramodellen gibt habe ich keine Maße angegeben.

Auf dem zweiten Foto wiederum seht Ihr nochmal im Detail wie der Fernauslöser angeschlossen wird. Der Lochdurchmesser ist so gewählt das alles ordentlich passt. Um auch während der Auslösung, hierbei mittels Luftdruck, die Lage zu sichern benutze ich zudem noch ein Gummiband. An und für sich eine einfache und preiswerte Konstruktion, welche prima funktioniert.

Für eine Kompaktkamera ist ein kleines Stativ, wie abgebildet, vollkommen ausreichend. Einen Fuß habe ich noch mit einem Schraubgewinde versehen und so gewählt das ich das Stativ auf einem "bankstick" befestigen kann. Den hat man sowieso immer dabei und somit besteht die Möglichkeit die Höhe der Kamera problemlos einzustellen.

So, zum Abschluss noch ein Foto welches ich von mir selbst mit obiger Konstruktion gemacht habe. Ihr seht, dass ein Fisch nicht unbedingt groß sein muß um ein schönes Bild abzugeben. Und wenn dann ein solches Foto gelingt können wir den Fang doppelt genießen, erst am Wasser und später zu Hause.

Viel Erfolg!
Léon Derksen
Cipro © 2005